Ignatianisch Leben mit  jungen Erwachsenen

Von Kindheit an bin ich gerne in die Berge gegangen. Auf unzähligen Touren habe ich die Schönheit der Bergwelt bestaunt und darin etwas von dem bestätigt gefunden, was P. Alfred Delp schreibt: „Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen“.

Während meiner Tätigkeit als Erzieher und Spiritual habe ich junge Menschen immer wieder eingeladen, mit in die Berge zu kommen. Zunächst brauchte es manchmal einige Überredungskunst, aber je länger wir unterwegs waren, je höher wir hinauf kamen, um so größer wurde die innere Freude. Der Blick und das Herz weiteten sich, und besonders groß war die Freude, als wir gemeinsam am Gipfel standen. 

Das Bild vom Bergsteigen kommt mir in den Sinn, wenn ich an das Projekt Aufbau von Gruppen junger Erwachsener im Sinne der GCL denke, gewiss damit zusammenhängend, weil es ähnlich wie eine Bergtour kein leichtes Unterfangen ist. Zum anderen aber deshalb, weil es in jedem Menschen, und besonders in den jungen Menschen, eine Sehnsucht und ein Streben nach „mehr“ gibt. Diese Sehnsucht ist vielleicht manchmal zugedeckt, aber sie ist da. 

Ignatius von Loyola hat um diese Sehnsucht nach dem „mehr“, dem „magis“ gewusst. Aufgrund eigener Erfahrungen, v. a. der Exerzitienerfahrungen  wurde ihm immer deutlicher, dass nur einer diese Sehnsucht stillen kann, nämlich Jesus Christus, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.  

Mein Anliegen ist es, junge Menschen, die auf der Suche nach „mehr“ sind zu begleiten, mit ihnen gemeinsame Erfahrungen im Glauben zu machen und zu reflektieren, z. B. in Exerzitien, in Bibelabenden, in Gottesdienstfeiern, im Unterwegssein in der Natur, auf Wallfahrten. 

Es wäre allerdings zu wenig, bei spirituellen „Gipfelerlebnissen“ stehen zu bleiben, so wie es ein Petrus auf dem Berg der Verklärung wollte, es gilt hinab zu steigen in die Niederungen des Alltags, wo die Menschen lieben und leiden. Das heißt, der Glaube muss sich auswirken im Alltag, im Dialog mit anders Denkenden und im Einsatz für Gerechtigkeit, im Engagement für die Armen.

Von Dom Helder Camara stammt der bekannte Ausspruch: „Wenn einer allein träumt, dann bleibt es ein Traum. Wenn aber alle gemeinsam träumen, dann wird es Wirklichkeit“.  

Ich hoffe und wünsche sehr, dass ich nicht alleine träume, sondern dass sich interessierte junge Menschen finden mit der Sehnsucht nach „mehr“ im Herzen und dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen im Dienst an Christus und den Menschen.

 P. Albert Holzknecht SJ